Trümmersuche

Während meiner Zeit als Rettungshunde-Führerin für eine Einsatzorganisation wurde ich

zu zwei internationalen Katastrophen-Einsätzen einberufen. Niemand wünscht sich, dass Erdbeben und ähnliche Katastrophen geschehen, trotzdem ergab sich bei diesen Einsätzen die Gelegenheit zu testen, ob wir unsere Hunde richtig ausgebildet und trainiert haben, denn eine reale Einsatzsituation und den damit verbundenen Stressfaktor kann man im Training weder für Hund noch Menschen nachbilden.

Es hat sich bewiesen, dass wir damals auf dem richtigen Weg waren, alle eingesetzten Hunde zeigten gute Suchleistungen. Seit den beiden Katastropheneinsätzen in der Türkei und Taiwan 1999 hat sich viel getan. Im Rahmen der IRO werden Ausbildung und Training laufend verbessert und es laufen verschiedene Forschungsprojekte über Hunde im Such-Einsatz. Für alle Rettungshundeführer bedeutet das sich laufend weiterzubilden und Trainingsmethoden zu verbessern.

Berichte:

TÜRKEI, YALOWA / CINARCIK

Erdbeben, Stärke 7,1
Einsatzdauer: 17.08. -­ 26.08.1999

Der Einsatz, der unter Koordination der AFDRU, einer Spezialeinheit des Österreichischen Bundesheers stattfand, konfrontierte unser Rettungshundeteam mit den härtesten Einsatzbedingungen.

Die Zerstörungen waren enorm, praktisch blieb durch die Stärke des Bebens kein Stein auf dem anderen, zurückzuführen auch auf die schlechte Bausubstanz.

Die Dichte der Trümmer und die enorme Hitze bis zu 40°C machten die Sucharbeiten nach Verschütteten für Hunde und Menschen äußerst schwierig und körperlich belastend.

Nach unserer Ankunft und ersten Schadensbesichtigungen kamen mir sofort Bedenken, dass Hitze, Staub und praktisch nicht vorhandene Infrastruktur, meinem Hund die Sucharbeit dementsprechend erschweren würden.

Doch mein Zulu arbeitete mit großer Sicherheit und Ruhe und meisterte alle Schwierigkeiten nahezu mühelos. Er hatte sich
in kürzester Zeit an die Gegebenheiten angepasst und zeigte sich mir als absolut zuverlässiger Partner, auch in widrigsten Situationen. Durch seine Gelassenheit half er mir auch sehr,
mit der psychischen Belastung angesichts des großen Leidens vorort, zurecht zu kommen. Für unser Team ein erfolgreicher Einsatz mit etlichen Lebendbergungen.

Zulus Instinkt und sein intuitives Verhalten betreff Krafteinteilung, Stressbewältigung und innerer Stärke haben mich nachhaltig unglaublich beeindruckt und beeinflusst.

TAIWAN, TAIPEH

Erdbeben, Stärke 7,3-8,1
Einsatzdauer: 23.09. -­ 28.09.1999

Der Einsatz fand unter Leitung der IRO (International Rescue Dog Organisation) statt.

Die Zerstörungen vorort waren aufgrund der relativ erdbebensicheren Bauweise nicht so groß wie in der Türkei, allerdings war die Einsturzgefahr durch permanente Nachbeben ein großes Kriterium für den Einsatz der Hunde. Jede Aktion gestaltete sich als Risiko, selbst verschüttet zu werden.

Nach über 14 Stunden Flugzeit, konfrontiert mit einer totalen Klimaumstellung, wurden wir sofort zum ersten Einsatzort gebracht, um nicht wertvolle Zeit zu verlieren.

Auch hier zeigte sich mir Zulu als absolut sicher und bewältigte alle, an ihn gestellten Forderungen problemlos. Auch dieser Einsatz kann für unser Team als erfolgreich bewertet werden.

Seit damals hat mir Zulu noch unzählige Male sein bedingungsloses Vertrauen und seine absolute Zuverlässigkeit bewiesen; ein Verhalten, das zu erreichen seitdem für mich
zu einer Grundregel in der Rettungshundearbeit geworden ist.